Meldungen in der Gemeinde

So ist Kirche hier in der Gemeinde. Das macht sie. Dazu ist sie in unserer Welt nützlich und notwendig. Das sind die Menschen, die sich hier engagieren. Das sind ihre Erfahrungen, Ideen und Ziele. Und immer wieder wird deutlich: In dieser Kirche ist Platz, um selbst dabei zu sein, mitzuerleben und auch mitzugestalten.

Fünf Jahre Lebendiger Adventskalender

Beim „lebendigen Adventskalender“, auch „begehbarer Adventskalender“ genannt, treffen sich Personen jeden Adventstag vor einem anderen Haus mit Adventskalender-Fenster. An den einzelnen Stationen werden vor oder im Haus Weihnachtslieder gesungen, weihnachtliche Geschichten erzählt und kulinarische Kleinigkeiten angeboten. Der Ursprung und Entstehung dieser Form der Adventsfeiern geht geschichtlich sehr weit zurück und ist nicht klar auszumachen. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist sie an vielen Orten Deutschlands wieder entdeckt oder neu belebt worden. Renate Freundlieb initiierte diese Aktion in Scheeßel und berichtet:

„Bald weisen die Sterne mit dem jeweiligen Datum des Gastgebers wieder den Weg, und das Adventslicht beginnt seine Reise durch die Gemeinde. Seit 2012 gibt es den Lebendigen Adventskalender hier in Scheeßel. Über 100 Veranstaltungen hat es im Rahmen dieser Aktion schon gegeben. Das Konzept ist seitdem unverändert: Die Treffen finden in der Regel draußen statt. Auch nicht so eifrige Kirchgänger sollen sich dazu ermutigt fühlen. Die Aktion will ökumenisch sein. Es soll weder Geschenke noch eine aufwendige Bewirtung geben. Und es gibt einen gemeinsamen Rahmen für die Veranstaltung. Frau Handrich hat Mut dazu gemacht, am Ende dieser Treffen einen Segen zu sprechen. Dass das jeder Christ tun darf und kann, war auch für mich gewöhnungsbedürftig. Inzwischen ist mir aber gerade dieser tägliche Segen während der Adventszeit lieb geworden.

Lebendiger Adventskalender… Ja, "lebendig" waren diese Treffen allemal, einige sind mir unvergesslich in Erinnerung geblieben: Die andächtige Stille im Kindergarten rund um den Adventskranz... Die Fröhlichkeit (und auch bisschen schönes Chaos) im Altenheim, als der ganze Treppenraum, gefüllt mit Bewohnern an Rollatoren und Rollstühlen, sich mit Gesang füllte... Es gab bitter schwarze Satire, aber auch ein Hauskonzert von Mutter und Tochter... Und von drei Generationen in der schönen Mühle... Plattdeutsche Geschichten… Lieder an der Feuerschale… Die längste Lichterstraße , die mitten im "Niemandsland" zu einem Strohballenrund führte, wo uns eine frei erzählte Geschichte erwartete... Die Basteleien mit den Freundinnen in der Seidorfer Straße... Die Gedanken zu Maria als unverheirateter Frau und werdender Mutter und ihrem Magnifikat... Überlegungen einer Hebamme über die Erwartungen von Eltern in heutiger Zeit und der Geburt Jesu vor etwa 2000 Jahren...

Diese Aufzählung müsste noch viel länger sein, und ein jeder Besucher hat sicherlich auch noch andere Treffen im Kopf – ich bin sicher, dass diese Aktion die Adventszeit segensreich begleiten kann! Fröhlich und nachdenklich, bescheiden und opulent - all das gab es bisher. Überall waren erkennbar Liebe und Mühe am Werk. Die tägliche Willkommenskultur, das Erlebnis einer immer auch live und echt singenden Gemeinschaft wärmen Herz und Sinn. Gerade das gemeinsame Singen wurde immer wieder als besonders schön hervorgehoben. Die weihnachtlichen Liedertexte überspannen Jahrhunderte: Von "Macht hoch die Tür" bis zu "In der Weihnachtsbäckerei" leben Erinnerungen auf.

Im Anblick des göttlichen Kindes in der Krippe können sich alle Christen wiederfinden, auch wenn die biblische Grundlage nicht mehr überall fest verankert ist und gelesen, auswendig gelernt oder aufgesagt wird. „Advent und Weihnachten gehören den Christen jedoch längst nicht mehr alleine... Sie sind Teil unserer Kultur.“ (F. Steffensky) Wie kein anderes kirchliches Fest weckt dieser "seltsame Freudenmonat" (F. Steffensky) Wünsche und Sehnsucht nach Kindheit und Heil-sein, nach Geborgenheit und Wundern. Es ist auch die Zeit der Gegensätze von Überfluss und Mangel, von Groß und Klein, von Wärme und Kälte, von Innigkeit und Äußerlichkeit, vom Prassen - nie wird üppiger genossen als schon in der Vorweihnachtszeit - obwohl die (neuen!) violetten Paramente in der Kirche von der Fastenzeit künden, die den beiden Hochfesten, Weihnachten und Ostern, vorangestellt ist.

Der sich allabendlich wiederholende Rahmen mit den beiden Liedern : "Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde..." und "Trägt in die Welt nun ein Licht" enthält für mich die Weihnachtsbotschaft, die dann auf so verschiedene Weise interpretiert, gesehen und gesungen wird.

 

Wenn diese Lieder nun wieder in der Dunkelheit erklingen ,verschafft sich die Weihnachtsbotschaft - ein wenig- Gehör in einer Welt , die tost und tönt in einer Weise, die manchen schwindeln lässt.

 

Vielleicht mögen Sie entdecken, was "Advent" für die Menschen heutiger Zeit bedeutet. Seien Sie herzlich eingeladen zum "Lebendigen Adventskalender"!

 

 

DATUM

4. Dezember 2017

AUTOR

Beate Ordemann
BILDER (1)
Renate Freundlieb hat den Lebendigen Adventskalender vor fünf Jahren initiiert
Renate Freundlieb hat den Lebendigen Adventskalender vor fünf Jahren initiiert
Renate Freundlieb hat den Lebendigen Adventskalender vor fünf Jahren initiiert