Meldungen in der Gemeinde

So ist Kirche hier in der Gemeinde. Das macht sie. Dazu ist sie in unserer Welt nützlich und notwendig. Das sind die Menschen, die sich hier engagieren. Das sind ihre Erfahrungen, Ideen und Ziele. Und immer wieder wird deutlich: In dieser Kirche ist Platz, um selbst dabei zu sein, mitzuerleben und auch mitzugestalten.

30 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe

Hilfe für Kinder aus den verstrahlten Gebieten ist nach wie vor extrem wichtig

Der Reaktorunfall in Tschernobyl am 26. April 1986 erschütterte die ganze Welt. Auch 30 Jahre nach der Katastrophe engagieren sich Menschen im Kirchenkreis Rotenburg in der Aktion „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ der Landeskirche Hannovers.

„Die Gebiete um Gomel in Weißrussland werden auch in 1.000 Jahren noch verstrahlt sein. Da können wir nicht einfach sagen, dass wir nicht mehr helfen“, sagt Barbara Koll, Koordinatorin für die Hilfsaktion im Kirchenkreis Rotenburg. Die Schneverdingerin ist von Anfang an dabei. Sie kümmert sich darum, dass jedes Jahr Kinder aus den verstrahlten Gebieten in der Region Gomel vier Wochen im Kirchenkreis Rotenburg Ferien machen können. „Die Kinder tanken hier auf. Sie atmen frische Luft und essen vitaminreiche Kost. Das stabilisiert sie in einer wichtigen Phase ihrer Entwicklung.“

Dass die Menschen in Weißrussland noch immer unter den Folgen der Reaktorkatastrophe leiden, bestätigt Susanne Briese, Superintendentin im Kirchenkreis Rotenburg: „Die Zahl der schweren Erkrankungen wie Leukämie, Schilddrüsenkrebs und Missbildungen nimmt dort immer noch weiter zu.“ Aber nicht nur diese Erkrankungen machen den Menschen zu schaffen. Ganz allgemein beobachten Ärzte und Lehrer, dass die Kinder häufig müde sind und unter Konzentrationsstörungen leiden. Auch das ist eine Folge der permanenten Strahlung, der die Kinder bereits im Mutterleib ausgesetzt sind.

So werden Schüler in der Regel in einem Alter zwischen zehn und zwölf Jahren in den Kirchenkreis Rotenburg eingeladen. „Die Kinder kommen meistens in zwei aufeinanderfolgenden Jahren“, sagt Koll. Dass sie sich in dieser Zeit schon sehr gut erholen, bestätigt Karin Willam aus Wittkopsbostel, die über viele Jahre Gastgeberin war. Mögliche Sprachschwierigkeiten mit den jungen Weißrussen hat sie nie abgeschreckt. „Man verständigt sich mit Händen und Füßen. Irgendwie kommt man da immer durch“. Und für schwere Fälle hilft eine mitgereiste Dolmetscherin.

Damit die Gasteltern entlastet sind, werden auch eine ganze Reihe gemeinsamer Aktivitäten für die Kinder angeboten. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Kinder nur für zwei der insgesamt vier Wochen zu beherbergen. 65 Kinder werden in diesem Jahr in den Sommerferien im Kirchenkreis Rotenburg erwartet. Das ist immer noch eine erfreulich große Zahl, aber nicht mehr zu vergleichen mit der aus den ersten Jahren nach der Katastrophe. „Damals liefen uns die Gasteltern wie automatisch zu“, erinnert sich Koll. 300 Kinder wurden problemlos untergebracht. Bis heute nahm die Zahl kontinuierlich ab. Koll und Briese führen das einerseits darauf zurück, dass nach 30 Jahren viele Menschen nicht mehr wissen, wie schlecht es den Bewohnern in den verstrahlten Gebieten heute noch geht. „Und es liegt an veränderten Familienverhältnissen bei uns, in denen vielfach beide Eltern berufstätig sind“, ergänzt Koll. Deshalb hat der Kirchenkreis Rotenburg eine weitere Möglichkeit geschaffen, um Kinder für vier Wochen unterzubringen. Sie wohnen auf dem Heidenhof in Soltau und starten von dort aus zu Aktivitäten und Ausflügen.

Wer Interesse hat, zwei Kinder für zwei oder vier Wochen bei sich aufzunehmen, kann sich wenden an Barbara Koll unter Telefon 05193/6851 oder Email: barbara.koll@kirche-rotenburg.de.

Der Kirchenkreis Rotenburg lädt zudem ein zum zentralen Gottesdienst in der Stadtkirche Rotenburg am Dienstag, 26. April, um 18 Uhr. Zusammen mit Pastorin Dr. Alexa Wilke gestalten Aktive aus der Tschernobyl-Arbeit die Veranstaltung mit Lesungen und Gebeten. Im Mittelpunkt der Lesung steht eine Tür. Die wollte ein Vater als einzigen Gegenstand aus seiner alten Wohnung mitnehmen, als er sie nach dem Reaktorunfall räumen musste. „Diese Tür ist für uns auch 30 Jahre nach der Katastrophe noch ein Sinnbild dafür, dass wir die Tür zu den Menschen in der verstrahlten Region offen lassen müssen. Wir müssen dafür sorgen, dass ihr Schicksal im Bewusstsein bleibt“, sagt Koll.

 

 

Bildunterschrift:

 

DATUM

22. April 2016

AUTOR

Anette Meyer
BILDER (1)
Wollen dafür sorgen, dass die Menschen in den verstrahlten Gebieten rund um Tschernobyl nicht vergessen werden: Susanne Briese (von links), Karin Willam und Barbara Koll
Wollen dafür sorgen, dass die Menschen in den verstrahlten Gebieten rund um Tschernobyl nicht vergessen werden: Susanne Briese (von links), Karin Willam und Barbara Koll
Wollen dafür sorgen, dass die Menschen in den verstrahlten Gebieten rund um Tschernobyl nicht vergessen werden: Susanne Briese (von links), Karin Willam und Barbara Koll

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Barbara Koll

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
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KOLL
Kirchenkreis-Koordinatorin Tschernobyl
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